Winterreifenpflicht in Deutschland betrifft jeden, der im Winter sportlich und sicher unterwegs sein will – besonders Autotuner. Was gilt rechtlich, welche Reifen sind zulässig, welche Bußgelder drohen, und wie holst du maximalen Grip aus deinem Setup? Hier bekommst du klare Antworten, praktische Tipps und Profi-Wissen rund um Symbole, Profiltiefe, RDKS, Montage und Reifengrößen im Fahrzeugschein.
Rechtslage, Zeitraum und Symbole: Was ist Pflicht – und was kostet ein Verstoß?
In Deutschland gilt keine starre Kalenderpflicht, sondern eine situative Winterreifenpflicht. Das heißt: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darfst du nur mit geeigneten Reifen fahren. Der beste Merksatz bleibt „O bis O“ – Oktober bis Ostern – aber juristisch entscheidend sind die tatsächlichen Bedingungen.
M+S vs. Alpine-Symbol
- Alpine-Symbol (3PMSF): Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Diese Kennzeichnung ist verbindlich für Winter- und Allwetterreifen, wenn sie als wintertauglich gelten sollen.
- M+S: Nicht genormte Herstellerkennzeichnung. Die Übergangsfrist für reine M+S-Reifen (Produktion bis 31.12.2017) ist abgelaufen. Heute gilt: M+S allein reicht nicht.
Praktisch: Schau auf die Reifenflanke. Ohne Alpine-Symbol kein legaler Winterbetrieb – auch dann nicht, wenn „All Season“ draufsteht.
Ab wann Winterreifen? Sobald die Temperaturen stabil in Richtung Gefrierpunkt gehen oder die Winterstraßenbedingungen drohen. Die viel zitierte 7-Grad-Regel ist kein Gesetz, aber ein sinnvoller Richtwert für den Wechseltermin, denn unter ~7 °C arbeiten Sommermischungen deutlich schlechter.
Welche Strafen drohen?
- Fahren ohne geeignete Bereifung bei winterlichen Straßenverhältnissen: 60 € Bußgeld + 1 Punkt.
- Mit Behinderung: 80 € + 1 Punkt; mit Gefährdung: 100 € + 1 Punkt; mit Unfallfolge: 120 € + 1 Punkt.
- Halter, der die Fahrt zulässt: meist 75 € + 1 Punkt.
Quelle zur Rechtsgrundlage: StVO § 2 Abs. 3a. Bußgeld- und Praxisinfos: ADAC – Winterreifen.
Reifenwahl für Tuner: Allwetter, Profiltiefe, Indizes und die richtige Größe im Fahrzeugschein
Allwetterreifen (Ganzjahresreifen) sind erlaubt, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Für Viel- und Schnellfahrer (Autobahn, leistungsstarke Setups) bleibt ein echter Winterreifen technisch im Vorteil: weichere Mischung, mehr Lamellen, besserer Kaltgrip und Bremsweg.
Mindestprofiltiefe
- Gesetzlich: 1,6 mm (gilt für alle Reifen).
- Empfehlung im Winter: mindestens 4 mm für verlässlichen Schnee- und Nässegrip.
Tipp: Miss an mehreren Stellen über die Lauffläche. Bei sportlicher Fahrweise baut sich Profil ungleichmäßig ab – ein Indiz für falschen Luftdruck oder Achsgeometrie.
Geschwindigkeits- und Lastindex
- Der Lastindex muss zum zulässigen Achslastsetup passen – besonders relevant bei schweren Felgen/Reifen-Kombinationen und Airride/Audio-Ausbau.
- Beim Speed-Index dürfen Winterreifen in Deutschland unter der Vmax des Fahrzeugs liegen, wenn ein Geschwindigkeitsaufkleber mit der Reifen-Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld des Fahrers klebt. Achte auf die Vorgaben des Herstellers.
Welche Größe steht im Fahrzeugschein?
- In der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) findest du die Grundbereifung meist in den Feldern 15.1/15.2.
- Weitere zulässige Größen stehen im CoC-Dokument (EG-Übereinstimmungsbescheinigung) oder in Feld 22 als Eintrag/Anmerkung.
- Tuning-Setup geplant? Prüfe: ABE/Teilegutachten, Freigängigkeit (Lenkeinschlag, Federweg), Tachoabweichung und ggf. Eintragungspflicht.
Profi-Tipp: Wer breit baut, sollte für den Winter ggf. auf eine schmalere Dimension gehen. Schmale Reifen schneiden den Schnee besser, reduzieren Aufschwimmen in Matsch und verbessern den Bremsweg.
DOT, Alter und Qualität
- DOT-Code: KW/Jahr der Produktion (z. B. 2422 = KW 24, 2022). Ab etwa 6 Jahren regelmäßig auf Aushärtung (Haarrisse, Gripverlust) checken.
- Premium-Winterreifen bieten meist bessere Nass- und Eisperformance – messbar in Tests und deutlich spürbar bei ABS-Eingriffen.
Montage- und Praxis-Tipps: RDKS, Luftdruck, Anzugsmoment – so performt dein Winter-Setup
RDKS (Reifendruckkontrollsystem) ist bei allen Pkw-Neuzulassungen seit 2014 Pflicht. Beim Wechsel auf Winterräder gilt:
- Direktes RDKS (mit Sensor im Rad): kompatible Sensoren verwenden, anlernen/programmieren (OE-ID klonen oder neues Set anlegen). Ventilservice-Kits und Dichtungen nicht vergessen.
- Indirektes RDKS (über ABS-Signale): nach dem Wechsel System resetten/neu kalibrieren.
- Ein RDKS-Fehler ist prüfrelevant und sollte vor der HU behoben werden.
Montage-Checkliste für klare Performance
- Reifenposition markieren: Profiltiefere Reifen auf die Hinterachse für maximale Fahrstabilität, auch bei Frontantrieb.
- Laufrichtung und Innenseite beachten (Directional/Asymmetrical).
- Felgenbett reinigen, Zentrierung prüfen, Radnabe leicht fetten (nicht auf Reibflächen!).
- Drehmoment nach Herstellervorgabe, anschließend nach 50–100 km nachziehen.
- Luftdruck kalt prüfen. Im Winter 0,1–0,2 bar über Herstellerangabe kann sinnvoll sein, weil sich der Druck bei Kälte stärker absenkt.
- Wuchten immer – bei 120 km/h merkt man jeden Grammfehler.
- Bei neuen Rädern/Reifendimensionen: Achsvermessung prüfen, um Sägezahnbildung und ungleichmäßigen Verschleiß zu vermeiden.
Fahrtechnik und Pflege
- ABS/ESP nicht deaktivieren, wenn’s glatt wird. Traktionsmodus bei Bedarf anpassen, aber Safety-Systeme aktiv lassen.
- Nach Salzeinsatz: Felgen und Reifenflanken gründlich reinigen – schützt Material und erhält die Optik.
- Einlagerung: kühl, dunkel, trocken. Kompletträder liegend stapeln, Einzelreifen ohne Felge stehend lagern und regelmäßig drehen.
Optik-Tipp für Tuner: Nach dem Wechsel ist der perfekte Moment für frische Reifensticker. Saubere Flanke entfetten, Sticker aufbringen, kurz andrücken – und dein Winter-Setup bekommt den Track-Look, ohne am Grip zu sparen. Schau in unseren Shop auf premium-reifenaufkleber.de für langlebige, witterungsbeständige Designs.
Schnelle Q&A – die häufigsten Fragen knapp beantwortet
- Ab wann Winterreifen? Situativ – sobald mit winterlichen Straßenverhältnissen zu rechnen ist; Richtwert „O bis O“.
- M+S ausreichend? Nein. Es braucht das Alpine-Symbol (3PMSF). Reine M+S-Frist ist vorbei.
- Welche Strafen? Ab 60 € und 1 Punkt, höhere Sätze bei Behinderung/Gefährdung/Unfall; Halterhaftung möglich.
- Welche Größe im Fahrzeugschein? Basisgröße in 15.1/15.2, weitere im CoC oder Feld 22. Bei Tuning Eintragung/ABE prüfen.
Unterm Strich: Die Winterreifenpflicht in Deutschland verlangt heute klar das Alpine-Symbol – egal ob Winter- oder Allwetterreifen. Achte auf ausreichende Mindestprofiltiefe, passenden Last-/Speed-Index, funktionierendes RDKS und eine saubere Montage. Wer Performance und Sicherheit kombiniert, fährt souverän durch den Winter – und wer dazu Style will, verpasst seinen Rädern mit Premium-Reifenaufklebern den passenden Look.